Die Saison der Feinschliff 2025

Der Start in die Saison 2025 war für uns sehr spannend: zum einen haben wir ja im vergangenen Winter dem Boot einen neuen Motor verpasst und zum anderen gab es aufgrund des Materialfehlers in dem Tyra-Play Großsegel ein neues Großsegel als Ersatz. Dazu gesellten sich eine passende Fock sowie ein neuer Code 0. Also gab es viele Premieren zum Beginn der Saison.

Die ersten Trainingsschläge waren trotz der wechselnden Winde und Flauten wirklich schön und eine gute Belohnung für die viele Winterarbeit. Lange Zeit zum Einsegeln hatten wir mal wieder nicht – die Baltic 500 stand wieder vor der Tür.

Glücklicherweise hat noch ein gemeinsames Training mit einigen anderen Booten in der Lübecker Bucht funktioniert, so dass wir uns ganz gut vorbereitet fühlten.

Wie die letzten Jahre auch, ging es über Nacht diesmal ohne Umwege und Komplikationen nach Kiel. Kurz aufklarieren, Liegeplatz klären und schon kam unser Abholservice nach Lübeck.

Das Feld in diesem Jahr bei der Baltic 500 ist dem Trend der letzten Jahre folgend noch performanter geworden. Mit viel Elan ging es zunächst schwachwindig auf die Strecke von und nach Kiel über Läsö. Es wurde im Uhrzeigersinn, also zunächst durch den großen Belt gen Norden gesegelt. Der erste Tag über die Kieler Bucht und entlang der Küste von Langeland war geprägt von schwachen Winden mit vielen Drehern. Zum Abend hin nahm der Wind wie vorhergesagt deutlich zu und beim Passieren der Großen Belt Brücke ging es unter Spi bei 20 bis 25 Knoten Wind schon wieder gut zur Sache. Kurz vor Mitternacht hat es uns dann beim Surfen mit dem Autopiloten durch die strombedingten chaotischen Wellen mit einer Patenthalse erwischet. Technisches Versagen oder Übermut – man weiß es nicht so recht. Im Ergebnis haben wir dabei leider unseren schweren Spi komplett zerlegt und mussten auf unseren kleineren A3 wechseln. Frustriert und verunsichert ging es weiter gen Norden. Leider war es ein sehr tiefer Kurs, der mit dem asymmetrischem Spi kaum zu segeln war und mehrere Halsen erforderte. Besonders unangenehm war dabei die Passage durch die Flachs um Samsö / Vejrö. Hier wäre mir persönlich der schwere Spi lieber gewesen. Der noch recht weite Weg bis Läsö war nicht unsere Sternstunde, zum einen waren wir genervt von der Nacht – es hat uns ein zweites Mal ganz schön niedergestreckt – und zum anderen drehte der Wind Zusehens und ab Anholt wurde es ein raumer Anlieger. Ein Kurs, den die Feinschliff bei viel Wind nicht gut kann, und gerne entgleist. Läsö war dann auch sowohl von der Platzierung und auch bezüglich der Laune an Bord der Tiefpunkt der Regatta.

Die Passage um Läsö haben wir genutzt, um uns „zu schütteln“, zu essen und wieder in den Performance-Modus umzuschalten. Und Schwups waren wir schon an Helsingör vorbei, und es war klar, dass wir in eine Flaute zwischen Kopenhagen und Gedser segeln werden….

Es wurden einige nervigen Stunden rund um Mönsklint. Ab Gedser ging es dann aber wieder zügig und gut gelaunt durch den Fehmarn Belt in Richtung Kiel. Der Wind war nicht zu viel, sodass der leichte Spi uns gut vorangebracht hat. In den Morgenstunden haben wir ganz zufrieden die Ziellinie vor Strande passiert. Unsere gesegelte Zeit war diesmal für die volle Distanz knapp 73 Stunden. Nach kurzer Pause, mit Stegbier und Chili con carne von der Wettfahrtleitung ging es mittags auf den Heimweg zum SVT.

Schon kurz danach folgten hintereinander die Veranstaltungen Grömitzer Double Hand und Neustädter Sonnenschuss, beides schöne, aber doch sehr unterschiedliche Veranstaltungen. Als erstes ging es in Grömitz an den Start. Hier wird nach Yardstick entweder alleine oder zu zweit gesegelt Die Bahn besteht aus vielen kurzen Schenkeln, mit dem Ziel den Tag auf dem Wasser voll zu bekommen. Da es mehrfach um eine Tonne herum direkt vor Grömitz ging, bestand somit mehrfach eine gute Möglichkeit für Fotos und eine Bahnverkürzung.

Mit einem guten Start konnten wir uns recht schnell vorne positionieren und haben am Nachmittag das Ziel der verkürzten Bahn als erster erreicht. Die Zeit zwischen dem Start und dem Ziel verlief unwahrscheinlich schnell, da die vielen Segelmanöver keine Zeit für Langeweile haben aufkommen lassen. Wir finden das Format auf jeden Fall sehr unterhaltsam und dann noch mit einem netten Rahmenprogramm – weiter so! Nach Berechnung wurde es der 2. Platz. Das schöne sommerliche Wetter hat das Wochenende noch abgerundet.

Es folgte der Start zum Neustädter Sonnenschuss bei ebenfalls schönem Wetter, mit der Prognose eines sehr schwachwindigen Abends samt Nacht. Zunächst ging es jedoch mit großen Schritten in Richtung Staberhuk, wo die Entscheidung zu fällen war, in welcher Richtung man die Insel Fehmarn umsegeln wollte. Nach vielen Routingdurchläufen haben wir uns für den Uhrzeigersinn entschieden. Mit langsam nachlassendem Wind ging es wie im letzten Jahr gemeinsam mit der J88 JoJo kreuzend erst durch die Brücke, dann zur Einfahrt nach Heiligenhafen, um dann bei der Tonne 2 wieder abfallen zu können.

Der Wind war zu diesem Zeitpunkt gegen 18 Uhr schon sehr mau. Erschreckenderweise kam uns zu diesem Zeitpunkt bereits der Führende von der Gruppe der Gegen-den-Uhrzeigersinn-Segelnden entgegen. Spannenderweise waren wir im Soll unseres Routings, und auch auf Gegenkurs wären wir zu dieser Zeit auch ungefähr an der gleichen Stelle gewesen. Es sollte also spannend werden, wer zuerst wieder bei Staberhuk ankommt. Kurz nach Mitternacht, nach vielen Segelwechseln und Schiften wurde unsere Kursentscheidung belohnt. Wir waren vor dem anderen Feld wieder bei der Tonne Staberhuk angekommen. Von dort aus ging es über Wismar wieder nach Neustadt zurück. Leichter Wind, herrlicher Sonnenaufgang querab von der Insel Poel und ein Zieleinlauf um 9.30 unter Spi – „Bilderbuch Segeln“.
Nach meinem Sommerurlaub ohne Boot durch England ging es auf nach Travemünde – die Langstreckenregatta mit Start in der Trave stand auf dem Programm. Leider erwiesen sich die Anmeldung und die Organisation als sehr unerfreulich und mein persönliches Empfinden ging schon fast dazu über, nicht zu starten….

Der Start des kleinen Felds von 13 Booten in der Trave sollte um 18.00 Uhr starten, so dass sich die Boote so gegen 17.30 zwischen der Kaiserbrücke und der Passat versammelt hatten. Es gab eine Startverschiebung, weil die Einlaufparade der TT-Line und der Feuerwehr- bzw. DGZRS-Boote auch um 18.00 Uhr war. Der Start erfolgte nun bei einer leichten Brise von vorne in einen lauen Sommerabend hinein. Dank eines guten Starts hatten wir das Vergnügen, den ersten Schlag mit Wind von backbord in Richtung Passat vor dem Rest des Feldes zu segeln. Bis kurz hinter der Mole konnten wir die schnelleren Boote noch hinter uns lassen. Ein versöhnlicher Beginn auf dem Wasser! Der Wetterbericht ließ für die Nacht im Bereich rund um Fehmarn – dem eigentlichen Kurs der Veranstaltung – kaum Hoffnung für ein Erreichen von Travemünde innerhalb des Zeitlimits. So wurde auf der Steuermannsbesprechung die Möglichkeit einer Bahnverkürzung bei der Ansteuerungstonne Fehmarn Sund bereits diskutiert. Eine Entscheidung sollte uns über Funk oder WhatsApp mitgeteilt werden.

Bis dahin wurde es schon sehr dünn mit dem Wind. Bis zum Schwarzen Grund konnte das Feld hoch am Wind noch ganz gut segeln. Dahinter wurde es dann sehr launisch mit vielen Drehern und Löchern. Dementsprechend gab es viele Verschiebungen im Feld. Kurz vor der Ansteuerungstonne war uns leider noch nicht klar, wo der nächste Wegepunkt liegen sollte. Per Funk waren wir natürlich schon zu weit weg von Travemünde und das Handy blieb auch stumm. Eine Nachricht an die WL blieb auch erfolglos. Glücklicherweise waren wir nicht das erste Boot im Feld, und dank AIS konnten wir uns den Rest zusammenreimen. Es ging in Richtung Hannibal – ein Kurs, bei dem der Spinnaker bei sehr wenig Wind teilweide das Kreuzen gelernt hat – viel Fläche hilft manchmal viel . Und auch diesmal gab es einen schönen Sonnenaufgang auf See. Der Weg zurück nach Travemünde hatte noch viele Stolpersteine parat, die wir bis ca 1 Meile vor Travemünde gut umrundet hatten. Leider hatten wir dann in einem Windfeld den Querabstand zu einem Mitstreiter zu groß werden lassen…keine 100 m in Lee von uns rutschte die „Bona tempora“ (First 34.7) durch. Und so erfolgte der Zieleinlauf im Dreierpack gemeinsam mit der „Aquilon“ von Jonas direkt hinter uns. Seglerisch eine schöne und spannende Nacht. Die Siegerehrung hat sich dann dem Beginn der Veranstaltung angepasst. Unter der Woche haben wir die Möglichkeit genutzt, beim Travemünder Mittwochssegeln teilzunehmen.

Außerhalb der Regatten hat mich Jenny im August mit der Frage ob wir nicht dieses Wochenende nicht mal nach Fehmarn wollen überrascht, und schon ging es Freitag nachmittags los gen Burgtiefe. Um kurz vor sechs ging es durch Travemünde. Blauer Himmel, 15 Knoten Wind und ein TWA von 110 Grad. Ich hätte es nicht besser bestellen können. Mit Code 0 und Staysail ging es entspannt und schnell in die richtige Richtung. Zwischendurch noch ein bisschen Abendessen gekocht und kurz nach Sonnenuntergang noch vor 22.00 Uhr galt es einen Liegeplatz zu finden. Burgtiefe war recht voll. Dank einer netten Motorboot-Crew gab es dann aber noch einen guten Liegeplatz für uns. Der Samstag war dann Bummeltag mit Kino am Strand. Auch die Rückreise am Sonntag nach einem gemeinsamen Frühstück mit unser Tochter Lena und Hunden wurde eine schnelle Reise. Bis Dahmeshöved mit einem kleinen Schrick in den Schoten und einem Holeschlag vor Travemünde konnten wir unseren Termin zum Crewwechsel in Travemünde einhalten. Das Boot ging dann wieder in Richtung Grömitz und der Insel Poel auf Reisen.

Anfang September stand dann wieder eine Trainigsrunde in der Lübecker Bucht auf dem Programm, bevor Hanno und ich das Boot nach Svendborg überführt hatten. Wie in den letzten Jahren auch, haben wir den Überführer noch zu einem schönen Segelwochenende gemacht. Mit drei Booten ging es leicht zeitversetzt abends in Travemünde los. Zu Beginn gleich mit einer Schauerböe, sodass wir gleich mal das Spibergen und Segelwechseln bei Regen und Wind üben könnten. Danach war es erst einmal wieder ruhiger und es ging dann wieder mit Spi weiter gen Fehmarn. Da wir keinen Zeitdruck hatten, haben wir uns mit den anderen gemeinsam dazu entschieden, einen kurzen Pitstop in Bagenkop einzulegen. Der Wind hatte mittlerweile auf 20 – 25 Knoten zugenommen und der Weg von Fehmarn zur Südspitze Langeland war schon eher ruppig. Gegen 2 Uhr waren wir in Bagenkop fest. Gegen halb acht zog die Karawane bis Svendborg weiter. Hier hatten wir noch genug Zeit zum Räumen und Essen mit den anderen Teilnehmern aus Travemünde, die teilweise schon da waren oder im Laufe des Tages noch gekommen waren. Per Bahn ging es dann als Reisegruppe wieder zurück.
Am Mittwoch nachmittags erfolgte der Rückweg zum Boot nach Svendborg – wieder als kleine Gruppe mit der Bahn: sehr gesellig. Das Wetter der vorangegangenen Tage hat leider denen, die direkt zum Silverrudder anreitsen den Weg sehr erschwert oder gar nicht ermöglicht, sodass das gesamte Feld um rund 100 Boote dezimiert wurde.

Meine Gruppe „Medium“ war dennoch mit 110 Booten ganz gut besetzt. Die Windprognosen wurden von Stunde zu Stunde freundlicher, sodass wir uns gut gelaunt am Freitagmorgen zum Frühstück in der Halle trafen. Kurz noch ein paar Kleinigkeiten besorgt und um 11. Uhr ging es dann auf die Bahn. Start zu meiner 5. Silverrudder. Gegen den Uhrzeigersinn mit 10 Knoten Wind von vorne ging die Reise los. Anders als im letzten Jahr konnte ich den Frühstart vermeiden und trotzdem im vorderen Feld mit über die Startlinie segeln. Die Südseite von Thurö entlang konnte ich den Code 0 setzten und mich auf die spannende Segelwahl für die kommende längere Strecke gen Norden konzentrieren. Ich war mir unsicher, ob der Spi oder der kleinere asymmetrische A3 die richtige Wahl war. Es sollte ein recht spitzer Kurs werden, der bei der angesagten Grundwindstärke von 14 Knoten gut zum Spi gepasst hat, jedoch war der Wind recht ruppig und streute immer wieder Böen mit 22-24 Knoten rein. Die Wahl fiel auf den A3 und bis auf wenige Phasen passte es gut. Ohne einen einzigen Sonnenschuss ging es bis zur Großen Belt Brücke. Den teilweise fehlenden Druck haben die fehlenden Sonnenschüsse wieder wett gemacht. Kurz vor der Brücke erfolgte der Segelwechsel auf den Code 0 und mit reichlich Schwung ging es unter der Westbrücke hindurch. Hier war ich froh, in den letzten Jahren Wegepunkte gesetzt zu haben, bei welchen Durchfahrten die Feinschiff noch durchpasst. Um 14.04 Uhr war ich als 11. meiner Gruppe unter der Brücke. Um 17 Uhr war der Spaß mit den großen Vorsegeln dann vorbei und an der Nordspitze von Fünen folgte der Amwindkurs bis Äebelö, um danach in eine Kreuz durch den Kleinen Belt zu münden. Mit ordentlicher Partymusikbeschallung um 23 Uhr war dann auch schon die Autobahnbrücke bei Middelfart passiert. Bis zur Insel Lyö in den Morgenstunden verlief die Passage durch den Kleinen Belt wirklich gut, natürlich mit einigen Überholern aus den größeren Klassen aber auch aus meiner Gruppe. Die ca. 22 Meilen bis zur Brücke im Svendborgsund wurden zäh. Wenig bis teilweise fast kein Wind verteilt auf unterschiedliche Flecken machten den Schlussspurt eher anstrengend. Allerdings bei Bilderbuchwetter – also mochte man sich nicht beschweren. Nach rund 25 Stunden war ich als 27ster in meiner Gruppe im Ziel.

Nun stand allerdings eine unbequeme Entscheidung an. Ausruhen und das besondere Feeling in Svendborg genießen, oder schnellstmöglich nach dem Auschecken wieder aufbrechen gen Lübeck. Die Wetterprognosen waren recht klar. Bis Samstagmorgen noch gutes Segelwetter, danach gab es bis Sonntag mittags eher was auf die Mütze. Eine Überführung das Wochenende später war keine Option, da ich dann in den Urlaub ohne Boot wollte. Also ging es gleich wieder raus in Richtung SVT. Mit den üblichen Wechseln zwischen Fock, Spi und Code 0 ging es hinter Marstal bei wechselnden Winden in Richtung Fehmarn, wo ich nach einiger Motorfahrt wegen Flaute gegen 23 Uhr die Option Fehmarn im wahrsten Sinne des Wortes links liegen gelassen habe und direkt nach Hause gesegelt bin. Mit nur einem kleinen Holeschlag vor Travemünde in einem Stück Hoch am Wind zum Ende der Saison hatte ich noch einmal richtig Spaß.

Auf der Trave unter Motor schon ein wenig aufgeräumt und um 7 Uhr nach einem kurzen Klönschnack mit einem Gastlieger aus dem NSV (warum steht man am Sonntag so früh auf?) lag ich glücklich und zufrieden in meiner Koje.

Auf in die Saison 2026!! Dirk Meiburg

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